Da immer mehr speziell für das Krypto-Mining entwickelte Geräte auf den Markt kommen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, sich intensiver mit den zugrundeliegenden Chips, der Technologie und der mathematischen Logik dahinter zu beschäftigen – und zu verstehen, warum Mining oft ein wenig wie Lottospielen mit Rechenleistung ist.
Inhalt
Was macht ein Lottery Miner?
Ein Lottery Miner ist ein spezieller Krypto-Miner, der nach einem Prinzip arbeitet, das einer Lotterie ähnelt: Anstatt – wie in einem Mining-Pool – kontinuierlich kleine Erträge zu erzielen, versucht er als Einzelminer (Solo Miner) den „Jackpot“ zu treffen. Das bedeutet, einen vollständigen Block zu finden und dafür die gesamte Blockbelohnung zu erhalten.
Die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich einen Block zu minen, ist dabei extrem gering – insbesondere in großen Netzwerken wie Bitcoin. Dennoch reizt viele Miner die Idee, mit vergleichsweise geringer Hardware-Leistung theoretisch einen hohen Gewinn zu erzielen. Der Vergleich mit dem Lottospiel passt gut: Statt Glückszahlen setzt man hier Rechenleistung ein.
Um zu verstehen, was ein Miner konkret tut, lohnt sich ein Blick auf den Aufbau eines Bitcoin-Blocks.
Wie sieht ein Bitcoin-Block konkret aus?
Ein Bitcoin-Block ist im Kern ein Datenpaket, das aus zwei klar getrennten Teilen besteht: dem Block-Header und dem Block-Body. Der Header enthält alle Informationen, die für das Mining relevant sind, während der Body die eigentlichen Transaktionen speichert.

1. Der Block-Header – das Ziel des Minings
Der Block-Header ist nur 80 Byte groß, aber entscheidend: Nur dieser Teil wird gehasht. Der Miner verändert dabei immer wieder die Nonce, um einen gültigen Hash zu erzeugen.
- Version: Gibt an, welche Bitcoin-Protokollregeln gelten.
- Hash des vorherigen Blocks: Verknüpft die Blöcke zur Blockchain.
- Merkle-Root: Ein einzelner Hash, der alle Transaktionen des Blocks repräsentiert.
- Zeitstempel: Ungefähre Erstellungszeit des Blocks.
- Difficulty-Target (Bits): Legt fest, wie schwer ein gültiger Hash zu finden ist.
- Nonce: Variable Zahl, die der Miner ständig verändert.
Der Miner berechnet aus diesen Feldern einen SHA-256(SHA-256(Header))-Hash. Nur wenn dieser Hash unter dem vorgegebenen Zielwert liegt (z. B. mit X führenden Nullen beginnt), ist der Block gültig.
2. Der Block-Body – die eigentlichen Inhalte
Der Block-Body enthält die Transaktionen. Er wird nicht direkt „gemined“, ist aber indirekt abgesichert, da jede Änderung die Merkle-Root und damit den Block-Hash verändern würde.
- Coinbase-Transaktion: Die erste Transaktion im Block, die die Blockbelohnung und Gebühren an den Miner auszahlt.
- Nutzertransaktionen: Alle weiteren bestätigten Bitcoin-Überweisungen.
Aus allen Transaktionen wird ein Merkle-Baum gebildet. Dessen Wurzel (Merkle-Root) landet im Block-Header. Dadurch kann jede einzelne Transaktion kryptografisch überprüft werden, ohne den gesamten Block neu berechnen zu müssen.
Warum ist das wichtig für Lottery Mining?
Beim Lottery Mining arbeitet der Miner ausschließlich daran, den Block-Header so zu verändern, dass dessen Hash gültig wird. Jede neue Nonce ist ein neuer „Lottoschein“. Der Inhalt des Blocks bleibt dabei meist gleich – nur die Nonce (und ggf. der Zeitstempel) ändern sich.
Findet der Miner zufällig einen gültigen Header-Hash, ist der gesamte Block – inklusive aller Transaktionen – automatisch korrekt. Genau deshalb fühlt sich Solo-Mining wie eine Lotterie an: Der Datenblock ist vorbereitet, aber nur ein einziger Hash unter Milliarden Versuchen führt zum Gewinn.
Der Miner nimmt alle Blockdaten, setzt eine Nonce (z. B. 0), berechnet den Hash und prüft das Ergebnis. Erfüllt der Hash die Bedingung nicht, wird die Nonce um 1 erhöht und der Vorgang erneut ausgeführt.
Erst wenn zufällig eine Nonce einen gültigen Hash erzeugt, „gewinnt“ der Miner: Er darf den Block an die Blockchain anhängen und erhält die Blockbelohnung (derzeit 3,125 BTC zuzüglich Transaktionsgebühren).
Ein Lottery Miner wie der Bitaxe Gamma 601 arbeitet zwar mit vergleichsweise geringer Rechenleistung, folgt aber exakt demselben Prinzip. Jeder berechnete Hash entspricht dabei einem Lottolos – die Gewinnchance ist winzig, aber real. Genau dieser Nervenkitzel macht den Reiz des Solo-Minings aus.
Die Aufgabe des Miners besteht darin, eine Nonce zu finden, mit der der Hash des gesamten Blocks einen vorgegebenen Schwierigkeitsgrad erfüllt. Konkret bedeutet das: Der resultierende Hash muss mit einer festgelegten Anzahl führender Nullen beginnen (z. B. „00…“).
Vereinfacht lässt sich der Vorgang so beschreiben:
Beispiel: Vereinfachtes Mining in 10 Schritten
| Schritt | Nonce | Ergebnis (Hash, verkürzt) | Gültig? |
|---|---|---|---|
| 1 | 0 | 9F2A8C7B… | Nein |
| 2 | 1 | 8D94F231… | Nein |
| 3 | 2 | E3A1C9DD… | Nein |
| 4 | 3 | 00FA8BE4… | Ja – Treffer |
Beim vierten Versuch (Nonce = 3) beginnt der Hash zufällig mit „00“. Der Miner hat damit einen gültigen Block gefunden und darf ihn an die Blockchain anhängen.
Wie funktioniert Lottery Mining?
Ein Miner erreicht dies, indem er mit seiner Hardware – meist spezialisierten ASICs oder GPUs – kontinuierlich kryptografische Berechnungen durchführt, um ein sogenanntes Hash-Puzzle zu lösen. Dieses basiert auf dem Proof-of-Work-Verfahren, bei dem ein Hash-Wert gefunden werden muss, der bestimmte Bedingungen erfüllt.
Jeder einzelne Versuch entspricht dabei einem Los in der Lotterie. Je mehr Hashes pro Sekunde berechnet werden können (also je höher die Hashrate), desto mehr Lose nimmt der Miner am „Ziehungsprozess“ teil. Wird ein gültiger Hash gefunden, erhält der Miner die Block Reward (bei Bitcoin aktuell 3,125 BTC plus Gebühren).
Beim Lottery Mining (Solo Mining) tritt der Miner allein gegen das gesamte Netzwerk an. Die Gewinnchance ist äußerst gering – doch im Erfolgsfall gehört die Belohnung vollständig ihm.
Was ist ein ASIC?
Ein ASIC (Application-Specific Integrated Circuit) ist ein speziell entwickelter Mikrochip, der für eine ganz bestimmte Aufgabe optimiert ist. Im Gegensatz zu universellen Prozessoren wie CPUs oder GPUs ist ein ASIC maßgeschneidert – im Krypto-Mining ausschließlich für die effiziente Berechnung einer bestimmten Hash-Funktion (z. B. SHA-256 bei Bitcoin).
Dadurch sind ASICs beim Mining deutlich leistungsstärker und energieeffizienter als Grafikkarten oder CPUs. Der Nachteil liegt in ihrer fehlenden Flexibilität: Ein Bitcoin-ASIC kann ausschließlich Bitcoin minen. Ändert sich der Algorithmus oder die Wirtschaftlichkeit, verliert das Gerät schnell an Wert.
Wie ist der Bitaxe Gamma 601 aufgebaut?
Der Bitaxe Gamma 601 ist ein kompakter, offener Bitcoin-Miner, der die Faszination des Krypto-Minings auf ein handliches Format reduziert. Er basiert auf dem hocheffizienten BM1370-ASIC-Chip, der speziell für den SHA-256-Algorithmus von Bitcoin entwickelt wurde. Mit rund 1,2 Terahash pro Sekunde bei etwa 17 Watt Leistungsaufnahme arbeitet er äußerst energieeffizient – ideal für Hobby-Miner und Technik-Enthusiasten.
Die Steuerung übernimmt ein ESP32-Mikrocontroller, der zugleich die Netzwerkverbindung bereitstellt. Über integriertes WLAN kommuniziert der Miner direkt mit dem Bitcoin-Netzwerk oder einem Mining-Pool – ganz ohne externen Computer. Ein kleines OLED-Display zeigt wichtige Statusinformationen wie Hashrate, Temperatur und IP-Adresse in Echtzeit an.
Für die Kühlung sorgt ein Lüfter, der die Abwärme des ASIC-Chips zuverlässig abführt. Die Stromversorgung erfolgt über 5 Volt Gleichspannung, etwa per Netzteil oder sogar über eine Powerbank. Besonders hervorzuheben ist der Open-Source-Ansatz: Sowohl Hardware-Design als auch Firmware („AxeOS“) sind frei verfügbar und können angepasst oder vollständig nachgebaut werden.
Kurz gesagt: Der Bitaxe Gamma 601 ist kein Massen-Miner, sondern ein technisches Lern- und Experimentiergerät – ein greifbarer Einstieg in die Welt des Bitcoin-Minings.
Und wie hoch sind nun die Chancen zu gewinnen?
Um die Gewinnchancen beim Lottery Mining realistisch einzuordnen, lohnt sich ein nüchterner Blick auf konkrete Zahlen. Nehmen wir als Beispiel einen Solo-Miner wie den Bitaxe Gamma 601 mit einer Hashrate von etwa 1,2 TH/s (Terahash pro Sekunde).
Die aktuelle gesamte Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerks liegt grob bei rund 600 EH/s (Exahash pro Sekunde).
Beim Proof-of-Work gilt: Die erwartete Anzahl an Hashes, um einen gültigen Block zu finden, beträgt Difficulty × 232. Mit einer Hashrate H (Hashes/Sekunde) ist die erwartete Zeit bis zum Blockfund daher (Difficulty × 232) / H. Für die Wahrscheinlichkeit, innerhalb einer Zeitspanne T mindestens einen Block zu finden, nutzt man die Poisson-Näherung: P(≥1) = 1 − e−λ mit λ = (H × T) / (Difficulty × 232).
Annahme für das Beispiel: Bitaxe Gamma 601 mit H = 1,2 TH/s = 1,2 × 1012 Hash/s, T = 30 Tage (durchgehend online, keine Ausfallzeit, konstante Difficulty).
Bitcoin (BTC): Monats-Wahrscheinlichkeit
Difficulty (BTC): 146,4726 T = 146,4726 × 1012
λ = (1,2 × 1012 × 2.592.000) / (146,4726 × 1012 × 232) ≈ 4,94 × 10−6
Daraus folgt: P(≥1 Block in 30 Tagen) = 1 − e−4,94×10−6 ≈ 4,94 × 10−6 = 0,000494%, also ungefähr 1 zu 202.000 pro Monat.
Die erwartete Zeit bis zu einem Block liegt bei rund 16.600 Jahren (Erwartungswert; kein Garantiewert).
Bitcoin Cash (BCH): Monats-Wahrscheinlichkeit
Difficulty (BCH): ~956,47 G = 956,47 × 109
λ = (1,2 × 1012 × 2.592.000) / (956,47 × 109 × 232) ≈ 7,57 × 10−4
Daraus folgt: P(≥1 Block in 30 Tagen) = 1 − e−7,57×10−4 ≈ 0,000757 = 0,0757%, also ungefähr 1 zu 1.321 pro Monat.
Die erwartete Zeit bis zu einem Block liegt damit bei rund 108 Jahren (Erwartungswert).
Wichtig: Diese Werte schwanken, weil sich Difficulty und Netzwerklast laufend ändern. Zudem sind das Idealwerte (100% Uptime, keine Stales/Orphans). Trotzdem geben sie eine realistische Größenordnung, wie „lotterieartig“ Solo-Mining bei BTC ist – und warum BCH bei gleicher Hardware rechnerisch deutlich näher am „Treffer“ liegt
Vergleich: Lottery Mining vs. Lotto 6 aus 49
Für einen fairen Vergleich muss man darauf achten, dass man Gleiches mit Gleichem vergleicht: Beim Lotto ist die Gewinnchance pro einzelner Tipp fix, beim Mining ist es die Chance, innerhalb einer Zeitspanne (z. B. 30 Tage) mindestens einen Block zu finden.
Lotto 6 aus 49 (Jackpot): Die Wahrscheinlichkeit für „6 Richtige“ liegt pro Tipp bei 1 : 13.983.816 (≈ 0,00000715%).
Lottery Mining (Beispiel 1,2 TH/s): Mit den oben berechneten Monats-Wahrscheinlichkeiten ergibt sich eine anschauliche Umrechnung in „Lotto-Jackpot-Äquivalente“:
- Bitcoin (BTC): Monats-Chance ≈ 0,000494% (≈ 1 : 202.000). Das entspricht grob der Jackpot-Chance von ca. 69 Lotto-Tipps (weil 69 × 1/13.983.816 ≈ 1/202.000). Mit natürlich geringerem Gewinn Gegenwert.
- Bitcoin Cash (BCH): Monats-Chance ≈ 0,0757% (≈ 1 : 1.321). Das entspricht grob der Jackpot-Chance von ca. 10.600 Lotto-Tipps. Aber natürlich mit deutlich weniger Gewinn, da BCH pro Einheit einen deutlich geringeren Gegenwert hat.
Der entscheidende Unterschied: Beim Lotto kaufst du eine feste Anzahl „Lose“ (Tipps) und wartest auf die Ziehung. Beim Lottery Mining erzeugst du fortlaufend extrem viele „Lose“ (Hashes) – bezahlst dafür aber Strom und Hardware, und die Difficulty (also die „Schwierigkeit der Ziehung“) verändert sich im Zeitverlauf. Deshalb ist Mining weniger eine planbare Renditestrategie als ein statistisches Spiel mit laufenden Kosten und seltenen, dafür großen Auszahlungsereignissen.
