In unvordenklichen Zeiten, weit vor dem Zerfall der Singularität existierte eine wundervolle, monomorphe Kraft. Die Menschheit überbot sich im Laufe der Zeit an Einfällen Ihr einen Namen zu geben. Göttlich in unterschiedlichen Formen wurde sie gerufen. Beschreibende, vorsichtigere Geister wählten Worte wie das Sein oder auch das tiefe Vibrieren des Om. Eine schwerlich greifbare, undifferenzierte Kraft. Der vermutlich blonde Dichter Hesiod, der den Seefahrern auf marmornem Inseln entstammte, nannte Sie das pulsierende Chaos. Ein interessanter Gedanke. Führt man ihn weiter und fügt ihm die Theorie des Strebens nach Entropie des Ganzen hinzu, so erhält man die mögliche zyklische Wandlung. Doch dazu später mehr.

Andere machten sich auf den Pfad der scheinbar vernunftbegabten Erkenntnis und begannen Sie nicht mit Worten und Abbildern als vielmehr mit Symbolen der Logik zu beschreiben. Je weiter Sie diesem Pfad folgten, desto mehr mussten Sie Ihre sichtbare Welt verlassen und sich dem Unteilbaren, dem Letztlichen, nähern. Doch weder griechische Gelehrte wie Demokrit noch die Geister der heutigen Zeit mit dem Versuch der Beschreibung durch schwingende Saiten konnten sich bisher der Tatsache erwehren, dass Sie nicht die Vollständigkeit erfassen, welche aus dieser einheitlichen Kraft hervorging. Immer dann, wenn die Theorie des einheitlichen Feldes greifbar scheint, eröffnet sich ein neuer Kosmos.

All diese Beschreibungen laufen jedoch auf eine Annahme hinaus. In der Raumzeit schwebte eine ursprüngliche Einmaligkeit, die Ihr jähes Ende im großen Urknall fand. Der Bruch der Singularität. Am Ende des Anfangs steht die Frage, ob es das Monomorphe selbst war, welches beschloss, all dies zu werden?

Die Folge: Das Unausgedehnte dehnte sich aus, das Unaussprechliche wurde benannt, das Unbewegliche beschleunigt, das Undifferenzierte bekam vielerlei Gesichter. Das Dunkle erhellte sich. Das sich auslöschende Nichts welches herrschte, fand sein stilles Ende und wurde lauter. Der Raum fand seine Ausdehnung, Teilchen entfernten sich voneinander und brachten so Dinge zum Vorschein, die bereits im Nichts möglich gewesen wären, jedoch erst jetzt ihr Dasein realisierten. Der zweite Satz der Thermodynamik fand seine Bedeutung, dessen Zwang zunächst keine Hoffnung auf eine jemals mögliche Rückkehr zur Ur-Vibration erlaubt und das Schicksal alles Weiteren besiegelt. Der Zwang des Fortschrittes. Zumindest in diesem Zyklus. Ist dies alles determiniert?

Nur konsequent kristallisierte die Ursuppe der biochemischen Verbindungen in diesem feinen Zahnradgebilde, das anscheinend einem nicht gänzlich zufälligen Weg folgt. Doch darf hier das Spiel der entstandenen Eigenschaften nicht außer acht gelassen werden, welche sich sowohl im Großen – denkt man an die Planetenbewegung – als auch im Kleinen – denkt man an fundamentale Teilchenkräfte – nicht anders hätten entwickeln dürfen, da es sonst abgesehen von allen möglich anderen Zuständen des Universums vielleicht wie auf der Venus geendet hätte. Ein schier unmögliches Balancespiel, dessen treibende Kraft im Verborgenen bleibt.

Ein weiterer Bruch stellt wohl der Moment dar, in welchem dem unbelebten Leben eingehaucht wurde. Wenn zunächst auch nur einfach so diskriminierten und spezialisierten sich die Formen. Ein neuer Zyklus, der des Lebens entstand. Eine Wiederkehr der unschuldigen Ordnung inmitten der Wucht. Ein Verlauf, welcher – glaubt man nicht an den vollständigen Determinismus – die Dinge ändern kann aus einem eigenen Willen heraus. Eine große Möglichkeit und Verantwortung, wenn man bedenkt. Das Belebte verändert das Unbelebte, welches mechanistischen Regeln folgt und so seine Grenzen aufzeigt. Auch dies ein Spiel des Gleichgewichtes vielleicht größer, wie man glaubt zu erahnen und weit über die Bahn selbst von 1I Oumuamua hinaus.

In diesem Drang des Fortschrittes, des Chaos, der Entropie und der Ordnung fand sich der Mensch. Zunächst ein Teil des Ganzen, eingebettet in den Atem des Gleichgewichts, hebt er sich im Laufe der Zeit heraus. Eine Blase mit einer semipermeablen Membran für Dinge, die – noch – nicht zu synthetisieren sind, entsteht und wächst. Artifizielles ersetzt Dinge, die es nicht durch die Membran schaffen, Gefühle, welche synthetisierbar scheinen eingebettet in einen Rahmen einer Ordnung. Der wachsende Druck innerhalb der Membran führt zu Oberflächeneffekten dieser, welche Sie wie eine Seifenblase schimmern lassen und daran erinnern, dass Sie zwischen allem anderen steht. Ihre Struktur verzerrt einerseits die Beziehung des Individuums zum großen Ganzen als auch deren Beziehungen. Sie basiert auf einem Regelwerk, welches Doktrinen entspringt, die nicht immer einer organischen Architektur abgeleitet wurden. Ein Regelwerk, dass auch durch Druck entsteht, der sich innerhalb des begrenzten Raumes aufbaut. Druck, welcher freie aktive Teilchen verlangsamt, Ihre Bewegungen angleicht und so Wärmeenergie verringert.

Umso interessanter ist, dass bei steigendem Druck sich der Wunsch nach Ursprünglichkeit Bahn bricht. Der Wunsch der Membran zu entfliehen und ungefilterten Zugang zu haben. Sei es banal im Drang der Freiheit des Gefühls eines erklommenen Berges. Im Gefühl, dem ausgesetzt zu sein, was sich nicht vollständig absichern, nicht vollständig kontrollieren lässt. Das einem das unbestimmte Gefühl des unverstellten Echten gibt. Ein Gefühl des Falls ohne Sicherung der scheinbar schützenden Membran. Das Spüren des großen Ganze, dem Ursprung nahe sein und das pulsierende Vibrieren erleben, scheint eine Anziehungskraft auszuüben. Sich zu finden im Wirrwarr, zu wissen diesem Teil anzugehören und eine Geborgenheit, Gewissheit und Annahme in diesem besteht.

Schlussendlich treibt alles Handeln der Wunsch nach Fühlen und nach Wärme an. Für sich alleine betrachtet vielleicht auch ein narzisstischer Grundzug, der jedoch diesen Aspekt verliert, wenn er eine allgemeine Gültigkeit und somit eine gegenseitige Bedingung findet. So erfährt er eine Bedeutung, die über sein selbst hinaus zu einer gemeinschaftlichen Größe führt. Die Gefahr hierbei ist, dass dies alles ohne jegliche Reflexion geschieht.

Solange wir unseren Geist nicht verschließen, die Neugier nicht versiegt, solange werden wir Dinge finden, die nicht gedacht, die nicht gesehen wurden, die alles Umwerfen und unser Denken vollständig verändern. Wir sollten uns im Klaren sein, dass unsere jetzige Perspektive nicht in Stein gemeißelt sein wird. Aus dem Blickwinkel der Steinzeit wäre vieles heute Magie. Und was bedacht werden sollte: Selbst der Größte sich entwickelte Geist kann wohl die Komplexität des Gleichgewichts nicht vollkommen alleine verstehen. Vielleicht steht am großen Ende der Kollaps der Kräfte und ein Neuanfang des monomorphen in der Singularität.

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